zu den Stätten jüdischen Lehrens und Leidens in Weissrussland

Belarus war um die Jahrhundertwende eine Hochburg jüdischen Lebens. 1928/29 beginnt der Untergang der jüdischen Kultur, als Stalin alle Synagogen und Versammlungsräume schliessen lässt. 1941, nach dem Überfall der Wehrmacht, erfolgt die physische Vernichtung der Juden. Unter den Dreimillionen Kriegsopfern in Weissrussland werden 800'000 Juden gezählt. Allein im Minsker Ghetto werden 100'000 Menschen ermordet, wenn man die Opfer des KZ Trostenez bei Misnk hinzuzählt, so war hier das zweitgrösste Vernichtungslager nach Auschwitz.

Im Sommer 1944 befreit die Rote Armee Weissrussland. Die überlebenden Juden erhoffen sich eine Zukunft ohne Antisemitismus. Doch schon bald beginnen antisemitische Prozesse, in denen die Juden wegen ihrer Kontakte zu westlichen Nationen als "Kosmopoliten" und "Zionisten" angeklagt werden. 1954 plant Stalin, alle Juden nach Birobidschan zu deportieren.

Viele israelische Politiker stammen aus Weissrussland, etwa Chaim Weizmann (Motal bei Pinsk) und Zalman Shazar (Mir), Menachem Begin (in Brest-Litowsk) sowie auch Shimon Peres (Wischnewa, ehem. Polen).

Der heute bekannteste Jude aus Belarus dürfte Marc Chagall sein, der vor 120 Jahren in Witebsk geboren wurde und seine Heimatstadt nicht nur in seinen Bildern verewigte: "Wie lange, meine geliebte Stadt, sah, hörte ich dich nicht, plauderte nicht mit deinen Wolken, lehnte nicht auf deine Zäune. Wie der ewige, traurige Wanderer trug ich deinen Atem von einer Leinwand auf die andere…".

Wie gross heute die jüdische Gemeinschaft ist, ist schwer zu sagen. Offiziell spricht man von 28'000 eingetragenen Gemeindemitgliedern, doch tatsächlich dürfte es in den heutigen 26 Gemeinden Weissrusslands mehr als 60'000 Menschen jüdischer Herkunft geben (allein in Minsk etwa 25'000).

Überall im Lande erinnern Mahn- und Gedenkstätten an den Grossen Vaterländischen Krieg und an die Opfer der deutschen Besatzung, aber auch des stalinistischen Terrors.

Unsere Reise führt uns von Zürich nach Warschau (Flug) und anschliessend mit der Bahn via Brest mit seiner monumentalen Gedenkstätte, die an die Verteidigung der Brester Festung zu Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion im Juni 1941 erinnert nach Minsk. In Pinsk und Umgebung besuchen wir das aufstrebende jüdische Leben. Wir besuchen Mir, Slonin und Voloschin mit der einst berühmten Jeschiwa. Wir sind Gast im eindrücklichen Museum von Nowogrudek, wo die Bielisky-Brüder den Ausbruch (Tunnel) aus dem Ghetto organisierten und bekommen auch einen Einblick in westliche Investitionen, die in diesem Land getätigt werden.

Wir fahren nach Bobruisk und Witebsk, wo grosse Künstler gelebt und gewirkt haben. Wir treffen auf Spuren der Vernichtung jüdischen Lebens, erkunden aber auch die Anzeichen eines Neubeginns jüdischer Kultur. Wir treffen uns mit Künstlern, Filmemachern, Vertretern des öffentlichen Lebens und auch Überlebenden des Minsker Ghettos.

Die Fahrt über Land führt durch tiefe Wälder und an zahllosen Seen vorbei, den "tausend Augen Weissrusslands". Am Wegesrand geduckte, farbige Holzhäuser, Obstgärten, Pferdefuhrwerke und Störche - quasi eine nostalgische Reise durch ein Fotoalbum der Grosseltern.

11. - 25. Juli 2010
Anmeldeschluss: 30. April 2010

Preis im Doppelzimmer: ca. CHF 3'750.- pro Person
Einzelzimmerzuschlag: ca. CHF 490.-



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