Auf den Spuren der Juden in China
Die ersten Gruppen von Juden kamen in der Tang-Dynastie, um das 8. Jahrhundert, auf der Seidenstrasse über Land nach China. Andere erreichten später auf dem Seeweg die chinesischen Küstengebiete und dann das Landesinnere. Einige wenige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass Juden bereits in der Han-Dynastie (206 v.u.Z. – 220 u.Z.) nach China gelangten. Andere gehen sogar so weit, ihre Ankunft noch früher, um das 6. Jahrhundert v.u.Z., in der Zhou-Dynastie (1066?256 v.u.Z.), anzusetzen.
Nach ihrer Einwanderung nach China lebten die Juden verstreut in vielen Städten und Gebieten, aber erst in der Song-Dynastie (960–1279) bildete sich in Kaifeng eine wirklich jüdische Gemeinde. Die Synagoge wurde im Jahre 1163 von Einwanderern aus Persien, dem Jemen oder Indien errichtet und bis in die 1850er Jahre nach mehreren Flut- und Feuerkatastrophen immer wieder aufgebaut.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die neuen kommerziellen Möglichkeiten, die sich den ausländischen Kaufleuten durch den Vertrag von Nanjing (1842) eröffneten, von einigen jüdischen Geschäftsleuten wahrgenommen, was zur Gründung der ersten jüdischen Gemeinde im modernen China führte. Die Geschichte der Shanghaier und Hongkonger bagdadischen (sephardischen) Gemein¬den hängt eng mit der Expansionsgeschichte der Sassoon-Familie zusammen, deren jüdische Mitarbeiter nicht mehr nach Indien oder Bagdad zurückkehrten, sondern sich vor allem in Shanghai niederliessen.
Mit dem Bau der Chinese Eastern Railway (CER) durch die Russen am Ende des 19. Jahrhunderts, nahmen jüdische Gemeinden im Nordosten Chinas ihren Anfang. In der Hoffnung, die wirtschaftliche Kraft der Juden für das eigene Vorhaben, die reichen Ressourcen der Mandschurei auszubeuten, wurde Harbin zum administrativen Zentrum der CER. Nach der Besetzung der Mandschurei durch die Japaner im Jahre 1934 veränderte sich die politische Atmosphäre in der Mandschurei. Viele Juden verliessen Harbin ? einige gingen nach Palästina oder in die USA, die meisten nach Tianjin und Shanghai. 1935 lebten nur noch 5'000 Juden in Harbin.
Im Jahre 1887 liess sich der erste russische Jude in Shanghai nieder. Ihm folgten andere, so dass 1907 eine aschkenasische Synagoge erbaut wurde. Nach dem 1. Weltkrieg und nach der Oktoberrevolution erreichten weitere Soldaten und Zivilisten Shanghai. Im Jahre 1924 zählte die russische jüdische Gemeinde 800?1'000 Mitglieder. Am Anfang des Zweiten Weltkrieges lebten ca. 4'000 russische Juden in Shanghai.
Die mitteleuropäischen Flüchtlinge bildeten die zweite aschkenasische Gemeinde in Shanghai. Die meisten Emigranten ? ca. 18'000?20'000 ? kamen zwischen den Jahren 1938-1940 nach Shanghai, dem einzigen Ort der Welt, für den man kein Einreisevisum brauchte.
Auf unserer Reise durch China werden wir geführt von Dr. Matthias Messmer (Shanghai), Verfasser des 2007 im Böhlau Verlag erschienenen Buches: «China: Schauplätze westöstlicher Begegnungen», und der sich während vielen Jahren dem Thema «Juden in China» gewidmet hat.
Termin: November 2010 (ca. 17 Tage)
Programm und weitere Informationen ab Mitte April 2010 erhältlich
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